Prosit, „Glücksrad“! – Vor 30 Jahren drehte Deutschland erstmals am Rad

    Rückblick auf die Geschichte der Gameshow

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    Prosit, "Glücksrad"! - Vor 30 Jahren drehte Deutschland erstmals am Rad – Rückblick auf die Geschichte der Gameshow
    Bilder: Sat.1/YouTube/Kabel 1/RTLplus/Frank W. Hempel

    Das „Glücksrad“ bzw. „Wheel of Fortune“ ist eine der langlebigsten Spielshows überhaupt. Die Spielidee stammt ursprünglich aus den Vereinigten Staaten und beruht auf einer Idee von Merv Griffin. Erstmals drehte sich das Rad in den USA am 6. Januar 1975 – und bis heute sind dort weit mehr als 6000 Folgen ausgestrahlt worden. Das einfache Spielprinzip ist zeitlos und erfreut sich weltweiter Beliebtheit: Die Mitspieler versuchen, ähnlich wie im bekannten „Hangman“-Spiel, knifflige Worträtsel zu lösen, indem sie immer mehr Buchstaben erraten, die im Lösungsbegriff enthalten sind. Drei Kandidaten treten gegeneinander an, die nacheinander am Glücksrad drehen. Sie nennen jeweils Konsonanten, die in dem Rätsel enthalten sein könnten. Ist der Buchstabe einmal oder mehrfach enthalten, wird der erdrehte Geldbetrag auf das Konto des Kandidaten gutgeschrieben. Von dem erspielten Guthaben können Vokale gekauft werden. Die Runde endet, sobald ein Kandidat das gesuchte Rätsel richtig gelöst hat.

    Vor 30 Jahren, am 7. November 1988, drehte sich das deutsche „Glücksrad“ erstmals in Sat.1 und sollte dort knapp zehn Jahre lang nicht mehr zum Stillstand kommen. Es handelte sich dabei um die zweite Daily-Gameshow im deutschen Fernsehen, zehn Monate zuvor war bereits „Ruck Zuck“ mit Werner Schulze-Erdel beim damaligen Tele 5 gestartet. Als Moderatoren wurden die bis dato als Schauspieler tätigen Frederic Meisner und Peter Bond (eigentlich Peter Kielbassa) verpflichtet – Letzterer stand in den 70er und 80er Jahren vor allem für Erotikfilmchen vor der Kamera. Zusammen mit Fotomodell Maren Gilzer, die als erste sogenannte „Buchstabenfee“ die gewählten Konsonanten und Vokale an der Ratewand umdrehte, avancierten sie schnell zu Fernsehstars und versammelten allabendlich bis zu vier Millionen Menschen vor dem Bildschirm.

    Ausschnitte der allerersten „Glücksrad“-Folge in Sat.1


    Das erste Studio befand sich an der Berliner Havelchaussee und war recht spartanisch eingerichtet. Publikum gab es noch keines, zudem nur eine im Vergleich zu späteren Jahren kleine Preispalette, die sich schräg hinter dem Rad befand. Die Platzprobleme im Studio erforderten auch für die Produktion spezielle Maßnahmen: Bild- und Tonregie waren in einem Ü-Wagen auf dem Hof untergebracht, die Aufzeichnung und Nachbearbeitung fand im Hauptgebäude statt. Mit wachsendem Erfolg der Sendung änderte sich auch das Erscheinungsbild. Eine Publikumstribüne sowie zwei zusätzliche Preispaletten wurden ins Set integriert, darüber hinaus mit dem „Superspiel“ eine Extra-Runde eingeführt, in der die drei Kandidaten zusammen ein Kreuzworträtsel mit Begriffen aus fünf Bereichen lösen mussten – dieses war bis 2001 fester Bestandteil der Show.

    War das „Glücksrad“ zunächst werktäglich zu sehen, wurde es im April 1991 um eine samstägliche und im September desselben Jahres um eine sonntägliche Ausgabe erweitert. Bis Ende 1995 wurde somit durchgängig an sieben Tagen die Woche gerätselt, was das Zeug hält – Ostern, Weihnachten und Silvester inklusive. Joy Fleming verpasste der von Klaus-Peter Sattler erdachten Titelmelodie einen schaurig-schönen Text und intonierte bei einem Gastauftritt das „Glücksrad-Lied“. Am 10. Mai 1992 konnte man im „Muttertags-Glücksrad“ bereits die 1000. Ausgabe feiern. In dieser erfolgreichsten Phase der Show startete man zudem am 9. Mai 1993 in Kooperation mit der Süddeutschen Klassenlotterie (SKL) die „Glücksrad-Gala“, in der neben den üblichen Spielrunden die Gewinnzahlen der aktuellen Ziehung präsentiert wurden und vornehmlich Schlagerstars musikalische Auftritte absolvierten.

    Die Jubiläumssendung zur 1500. Ausgabe


    Für diese Sonderausgaben wurde der Platz im Havelchausseestudio allmählich allerdings wirklich zu knapp, weshalb man in das deutlich größere Studio A auf dem ehemaligen Gelände des Deutschen Fernsehfunks in Berlin-Adlershof umzog und erstmals am 4. Februar 1994 von dort sendete. Dieses versprühte mit seinen arenaförmigen Zuschauerrängen und der hochwertigen Optik beinahe eine Art Casino-Atmosphäre und animierte das Studiopublikum, umso lautstärker vermeintlich richtige Konsonanten und Vokale in Richtung der Kandidaten zu brüllen. Neben einer neuen Titelmelodie wurden neue Felder auf dem Rad wie der „Sonderpreis“, „Superpreis“, „Überraschungspreis“ oder „Risiko“ hinzugefügt, das „Superspiel“ bekam ein Jackpot-System, das Ende 1996 drei Kandidaten den bis dato höchsten Gewinn einer täglichen Gameshow von 450.000 DM einbrachte.

    Das Rekord-Superspiel aus dem Jahr 1996


    Zu diesem Zeitpunkt hatte die Gameshow in Sat.1 ihren Zenit aber bereits überschritten. Mit der Ausgabe vom 2. Juni 1997 wurde die Studiodeko überarbeitet, das Publikum war fortan kaum noch zu sehen und wurde auf ein Minimum reduziert. Der damalige Sat.1-Chef Fred Kogel bemängelte den hohen Altersdurchschnitt der Zuschauer, der der geplanten Programmverjüngung des Senders konträr entgegenstand. Aus diesem Grund setzte man das „Glücksrad“ am 15. Mai 1998 ab, nachdem ein Jahr zuvor bereits die langjährige Gameshow „Geh aufs Ganze!“ eingestellt worden war.

    07.11.2018, 12:00 Uhr – Dennis Braun & Glenn Riedmeier/cikm2013.org

    Über die Autoren

    Dennis Braun
    Dennis Braun, geboren einen Tag nach dem Mauerfall, ist ein richtiges Kind der 90er und Retro-Fan. Neben schaurig-schöner Eurodance-Musik kann er sich auch heute noch an diversen Gameshows wie "Geh aufs Ganze!", "Glücksrad", "familien duell" oder "Der Preis ist heiß" erfreuen, die er damals sehr häufig bei und mit seinen Großeltern geschaut hat. Daneben hat er ein Herz für gut gemachte deutsche Comedy, die allerdings bekanntermaßen recht spärlich gesät ist. Wenngleich er kein wirklicher Serienjunkie ist, laufen ihm dennoch ab und zu ein paar Produktionen wie der "Club der roten Bänder" oder "The Strain" über den Weg, die ihn in ihren Bann ziehen. Bereits seit Januar 2013 für cikm2013.org tätig, verstärkt er seit März 2016 auch die Newsredaktion und kennt sich besonders im nationalen Bereich gut aus.

    Lieblingsserien: Pastewka, Club der roten Bänder, Die Dinos
    Glenn Riedmeier
    Glenn Riedmeier ist Jahrgang '85 und gehört zu der Generation, die in ihrer Kindheit am Wochenende früh aufgestanden ist, um stundenlang die Cartoonblöcke der Privatsender zu gucken. "Bim Bam Bino", "Vampy" und der "Li-La-Launebär" waren ständige Begleiter zwischen den "Schlümpfen", "Familie Feuerstein" und "Bugs Bunny". Die Leidenschaft für animierte Serien ist bis heute erhalten geblieben, zusätzlich begeistert er sich für Gameshows wie z.B. "Ruck Zuck" oder "Kaum zu glauben!". Auch für Realityshows wie den Klassiker "Big Brother" hat er eine Ader, doch am meisten schlägt sein Herz für Comedyformate wie "Die Harald Schmidt Show" und "PussyTerror TV", hält diesbezüglich aber auch die Augen in Österreich, Großbritannien und den Vereinigten Staaten offen. Im Serienbereich begeistern ihn Sitcomklassiker wie "Eine schrecklich nette Familie" und "Roseanne", aber auch schräge Mysteryserien wie "Twin Peaks" und "Orphan Black". Seit Anfang 2013 ist er bei cikm2013.org vorrangig für den nationalen Bereich zuständig und schreibt News und TV-Kritiken, führt Interviews und veröffentlicht Specials.

    Lieblingsserien: Twin Peaks, Roseanne, Gargoyles – Auf den Schwingen der Gerechtigkeit

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