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Just Cause 4 im Test - Action an der Schlechtwetterfront

Wieder erschaffen die Avalanche Studios eine vielfältige Inselwelt, um sie von Rico Rodriguez in Schutt und Asche legen zu lassen. Diesmal bekommt der unverwüstliche Kämpfer aber zeitweilig Konkurrenz von menschgemachten Naturgewalten.

von Stephan Freundorfer,
03.12.2018 10:45 Uhr

Stürmische Action erwartet Rico in Just Cause 4Stürmische Action erwartet Rico in Just Cause 4

Vergleichsweise kurz war die Ruhepause für den Just Cause-Protagonisten Rico Rodriguez: Lag zwischen Teil 2 und 3 der schwedisch-amerikanischen Open World-Reihe noch ein halbes Jahrzehnt, dauerte es nun nur noch drei Jahre, um den Ex-Agenten eines diktaturenstürzenden US-Geheimdiensts in Just Cause 4 sein nächstes Abenteuer zu schicken. Beziehungsweise auf die nächste Insel, deren unterjochte Bevölkerung der Befreiung durch den strahlend-skrupellosen Helden harrt.

Nach Karibik, Südostasien und Mittelmeer reist Rico vor die Küste Südamerikas und auf ein erneut rund 1.000 Quadratkilometer großes Eiland - offensichtlich ist das die bevorzugte Größenordnung der Entwickler und ihrer hauseigenen APEX-Engine. Solís heißt die fiktive Insel, die seit Ewigkeiten von der Espinosa-Familie ausgebeutet wird. Aktuell ist es der geschäftstüchtige Oscar Espinosa, der sich hier auf Kosten der Bevölkerung die Taschen vollmacht und sie durch die aus den Vorgängern bekannte Hightech-Söldnerarmee der Schwarzen Hand in Schach hält.

Und was hat Rico mit dem Ganzen zu tun? Der robuste Einzel- und Befreiungskämpfer hatte im letzten Teil mit dem mediterranen Medici ja seine Heimat mütterlicherseits befreit. Nun verschlägt es ihn nach Solís, wo sein Vater geboren und auf unnatürliche Weise verstorben ist. Ein perfekter Grund für Rico, den Greifhaken um den Arm und den Gleitschirm auf den Rücken zu schnallen und dem Diktator im Maßanzug das Leben schwer zu machen.

Just Cause 4 - Testvideo zum explosiven Open-World-Spektakel 8:02 Just Cause 4 - Testvideo zum explosiven Open-World-Spektakel

Schlechtwetterfront

Zunächst einmal muss Rico aber einstecken. Im Vorspann, in dem ihr die Grundmechaniken von Bewegen und Ballern erlernt, konfrontieren euch die Story-Autoren bereits mit dem finalen Ziel von Just Cause 4: Dem himmelhohen Laborturm im Hochgebirge der Insel, wo Espinosa residiert und an Projekt Illapa forschen lässt. Der Name kommt nicht von ungefähr: Illapa ist der Donnergott der Inkas, und er steht hier Pate für eine Technik zur Kontrolle von extremen Wettern - von Tornados, Sandstürmen und Blizzards. In letzteren gerät Rico auch, er verliert sein Bewusstsein und den Kampf gegen Espinosa, noch bevor er begonnen hat.

Frisch aufgerappelt werden gleich mal die Fronten abgesteckt. An eurer Seite ist Mira Morales, eine junge Frau, deren Familiengeschichte ebenfalls mit Espinosa und Illapa belastet ist und die mit den Rebellen der "Armee des Chaos" gegen die Unterdrückung kämpft. Das bösartige Gegenstück zu Mira ist deren Cousine Gabriela, die als Kommandantin die Schwarze Hand anführt und über ein unerschöpfliches Reservoir von Truppen gebietet, die Rico auf Rädern, Ketten, zu Fuß, zu Wasser und in der Luft des Leben schwer zu machen versuchen.

Der Haken dran

Bei einer halsbrecherischen wie hektischen Fahrt auf der Ladefläche eines LKW schließt ihr nicht nur Freundschaft mit dem jungen Rebellen-Hauptmann Sargento, für den ihr im Lauf des Spiels optionale Aufgaben erledigen dürft, sondern werdet auch mit einer neuen Funktion eures Enterhakens vertraut gemacht: den sogenannten Lufthebern. Ein sonderbarer Begriff, der für nichts anderes steht als Ballons, die an ein Objekt appliziert werden, das anschließend in den Himmel entschwebt - so es nicht zu schwer ist, was sich allerdings mit dem Verschießen weiterer Ballons beheben lässt.

Der Wunderhaken ist zum Glück unerschöpflich, und er kann noch mehr, als bei kurzem Antippen Rico zu einem Zielpunkt zu ziehen oder bei längerem Halten eben jene Luftheber zu verschießen. Auch Drahtseile mit eingebauten Zugmotoren lassen sich an Objekten und Umgebungsdetails anheften. Sind zwei Punkte verknüpft, zieht sich das Seil zusammen, wodurch Schalter umgelegt oder Blechabdeckungen von Maschinen abgerissen werden. Und dann wären da noch die Schubraketen: Hakengeschosse, die ein Objekt ebenso kurzfristig wie kräftig beschleunigen.

Auch in Just Cause 4 gibt es wieder jede Menge Möglichkeiten, Unfug mit Physik anzustellen.Auch in Just Cause 4 gibt es wieder jede Menge Möglichkeiten, Unfug mit Physik anzustellen.

So wie Sargento euch die Luftheber nahebringt, dienen zwei weitere Nebenfiguren als Mentoren für die übrigen Funktionen des Hakens: Historiker Javi erkundet die Vergangenheit der Insel und schickt euch zu antiken Grabanlagen, wo ihr mittels Zugmotor-Seil gewaltige Steinkugeln durch die Gegend bugsiert. Filmproduzentin Garland King macht euch bei Aufnahmen für einen Actionstreifen mit den Schubraketen vertraut. Das Abarbeiten von zufällig auftauchenden sowie fest vorgegebenen bzw. freizuspielenden Missionen für die drei Charaktere geben Erfahrungspunkte für die jeweilige Hakenfunktion, die in deren Modifikation investiert werden (mehr dazu im Kasten).

Das klingt nach einem fast schon verwirrenden Strauß von Möglichkeiten, mit denen ihr in der ersten Stunde des Spiels konfrontiert werdet. Doch all das Haken-Hantieren ist Großteils optional - mehr als die klassische Zugoption braucht ihr im Verlauf der Story nicht. Dort aber immer mal wieder, denn die Sabo- bzw. Demontage von Sicherungskästen und Generatoren durchzieht Ricos Abenteuer wie ein roter Faden.

Trickreicher Haken

Vorsicht: Beim Herumspielen mit Ricos Enterhaken kann man richtig viel Zeit verplempern. Schon die Konfiguration des Gadgets ist überraschend komplex und erlaubt unzählige Kombination - so ihr für die drei Nebenfiguren Aufgaben erledigt und euch Punkte zum Investieren verdient.

Der Luftheber beispielsweise lässt sich in fünf Bereichen modifizieren: Welches Gas soll in dem Ballon stecken (fades Helium oder reaktiver Wasserstoff)? Soll er gepanzert sein? Soll er schweben, gelenkt werden oder dem Spieler folgen? Wie hoch soll er fliegen und wie soll er sich bei maximaler Flughöhe verhalten? Für alle Fragen gibt es verschiedene Antworten, die miteinander kombiniert werden können, um einen Ballon mit einer ganz eigenen, gezielten Funktion zu fabrizieren.

Das ist aber noch nicht alles: Auch wie und wann Funktionen der Hakenelemente ausgelöst werden sollen, könnt ihr bestimmen, oder gleich Luftheber, Zugmotor und Schubrakete in einem Haken-Objekt kombinieren. Um nicht ständig ins Mod-Menü wechseln zu müssen, können drei Konfigurationen festgelegt werden, die sich während der Action simpel über das D-Pad wechseln lassen. Praktisch und hilfreich: Kleine Videos erklären anschaulich die Funktionsweise jedes einzelnen Mods.

Zugmotor, Luftheber und Schubrakete können beliebig modifiziert und kombiniert werden. Drei Konfigurationen lassen sich via Schnellwahl während der Action verwenden.

Welche Modifikation sich freizuschalten lohnt und wie sie funktioniert, erfahrt ihr in kleinen Erklär-Videos.

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