Diablo Immortal - All die Aufregung, aber wofür eigentlich?

Blizzard hat nach der Ankündigung des Mobile-Spiels Diablo Immortal einen gehörigen Shitstorm erfahren. Doch ist dieser überhaupt berechtigt?

von Dennis Michel,
08.11.2018 11:50 Uhr

Diablo 4 - KolumneDiablo 4 - Kolumne

Blizzard hat auf der BlizzCon am vergangenen Wochenende, sechs Jahre nach dem Release von Diablo 3, einen weiteren Ableger der Reihe angekündigt: Diablo Immortal.

Was im ersten Moment nach einer guten Nachricht für Diablo-Fans klingen mag, stellte sich schnell als ein Alptraum für Fans und Publisher gleichermaßen heraus. Das Spiel erscheint ausschließlich für iOS- und Android-Geräte und erzählt die Handlung zwischen Teil 2 und 3.

Die Hoffnung der Fans, endlich erste Bilder aus Diablo 4 zu sehen, blieb unerfüllt und resultierte in den Stunden nach der Präsentation in einem heftigen Shitstorm für Blizzard. Einem Shitstorm, der in dem Ausmaß definitiv nicht gerechtfertigt war, dessen Ursprung aber vielschichtig ist.

Dennis Michel
@RecaBlog

Looten und Leveln. Kaum eine Reihe hat mich über die Jahre stärker in seinen Bann gezogen als Diablo. Hatte ich Teil 2 auf LAN-Partys mit Freunden bereits rauf und runter gespielt, ist speziell der Hardcore-Modus aus Teil 3 mein persönliches Highlight. Ja, der PC-Release war alles andere als glücklich, doch was Blizzard in den kommenden Monaten und Jahren aus dem Spiel, auch auf Konsolen, gemacht hat, ist ganz großes Tennis.

Starker Gegenwind für Blizzard

Blizzard musste nach der Präsentation von Diablo Immortal auf der BlizzCon starke Kritik einstecken. Blizzard musste nach der Präsentation von Diablo Immortal auf der BlizzCon starke Kritik einstecken.

Eine Mobile-Ankündigung auf einer hauseigenen Messe, zu der Hardcore-Fans in Scharen pilgern und zu Hause gespannt vor dem bezahlten Livestream sitzen. Die Frage, ob diese Ansatz eine gute Idee war, lässt sich nun mit einem klaren "Nein" beantworten.

Selbst ehemalige Mitarbeiter des Unternehmens wie Mark Kern, der zu Zeiten von Diablo 2 als Producer fungierte, fand kein gutes Wort für seine ehemaligen Kollegen:

"Da ich an der Entwicklung von Diablo 2 beteiligt war, haben mich viele zu meinen Gedanken zum Diablo Immortal-Fiasko gefragt. Ich hasse es zu sagen, aber Blizzard versteht Gamer einfach nicht mehr."

Im Vergleich zum Feedback der Fans sind die Worte von Kern noch harmlos. Hier ein paar Beispiele:

  • Dislike-Wahnsinn auf YouTube: Der Cinematic-Trailer zu Diablo Immortal hat mittlerweile über 500.000 Dislikes erhalten. Auf der Haben-Seite stehen magere 20.000 "Gefällt mir"-Angaben.
  • Häme auf der BlizzCon: Den lautesten Applaus während der Präsentation auf der BlizzCon erhielt ein Fan, der einen Immortal-Entwickler offen fragte, ob es sich bei der Bekanntgabe um einen verfrühten Aprilscherz handelt.
  • Kommentar-Wahnsinn auf der GameStar: Bei unseren Kollegen der GameStar schlug die Ankündigung ebenfalls hohe Wellen. Weit über 500 größtenteils negative Kommentare gibt es zu lesen.
  • Blizzard-Aktienkurs fällt: An der Börse zeigten Investoren ihren Unmut. So verlor der Aktienwert am Dienstag an der deutschen Börse knapp sieben Prozent.

Egal wo im Internet ich nach Diablo Immortal suchte, um neutrales oder gar positives Feedback zu finden, musste ich lange scrollen. Wie so oft schlug die Kritik bei vielen Fans schnell in Hass um, der teils stark unter die Gürtellinie reichte und in keinem Verhältnis zur eigentlichen Sache steht - der Vorstellung eines Videospiels.

Woher kommt der Unmut?

Die Gründe für den Unmut der Fans sind vielschichtig. Die Gründe für den Unmut der Fans sind vielschichtig.

Doch woher kommt die große Enttäuschung der Fans, woher der Shitstorm, der die Gaming-Welt gefühlt für mehrere Stunden zum Stillstand brachte und freudige Themen wie die Ankündigung von Warcraft 3: Reforged in den Hintergrund drängte?

Die Angelegenheit ist vielschichtig. Es geht um nicht erfüllte Erwartungen, dem Anspruchsdenken einiger Gamer, alles müsse genau auf sie zugeschnitten sein, einem mehr als unglücklichen Timing seitens Blizzard und mehr.

Enttäuschte Erwartungen und falsche Gerüchte:
Sechs Jahre sind seit der Vanilla-Version von Diablo 3 auf dem PC vergangen, fünf Jahre seit der Erstveröffentlichung auf Konsolen, vier Jahre seit der großen Erweiterung Reaper of Souls. Als leidenschaftlicher Fan, der jede noch so kleine Meldung über sein Lieblingsspiel aufsaugt, sind vier Jahre eine lange Zeit.

Zwar ist Blizzard dafür bekannt, sich vor Release eines Sequels viel Zeit zu nehmen - zwischen Diablo 2 und 3 liegen ganze 12 Jahre - dass es erneut so lange dauert, halten die meisten allerdings für unwahrscheinlich.

Erst recht, wenn im Vorfeld einer BlizzCon die Gerüchteküche so brodelt wie in diesem Jahr. Hier ein Hinweis im Zeitplan der hauseigenen Messe, da ein T-Shirt, das ein unbekanntes Diablo-Logo zeigt, dort eine mehr als eindeutige Stellenausschreibung - ich könnte die Auflistung der Gerüchte an dieser Stelle noch lange fortsetzen. Welches Event wäre also besser geeignet, um eine Fortsetzung anzukündigen als die BlizzCon?

Diablo Immortal - Erstes Gameplay: So funktioniert Mobile-Diablo 2:24 Diablo Immortal - Erstes Gameplay: So funktioniert Mobile-Diablo

Ansprüche der Blizzard-Fans:
Das Diablo-Franchise ist seit seinen Ursprüngen Mitte der 90er-Jahre fest im Bereich des PC-Gaming verankert und speziell unter Core-Gamern sehr beliebt. Erst mit Diablo 3 hat die Reihe den wirklich erfolgreichen Sprung auf Konsolen geschafft, wie zuletzt mit dem Port auf Nintendo Switch nach einem Siegeszug auf PlayStation und Xbox.

Die erste Anlaufstelle ist jedoch nach wie vor der PC, was Spieler nicht nur wissen, sondern wovon sie fest ausgehen. Diese Erwartungshaltung wurde nun durch die Ankündigung eines Mobile-Ablegers gebrochen, der sich erstmals nicht an seine übliche Core-Zielgruppe richtet, sondern in erster Linie Casual-Spieler und eine neue Zielgruppe ansprechen könnte. Wäre Diablo Immortal noch zusätzlich für PC oder Konsolen vorgestellt worden, wäre die Situation vielleicht nie so eskaliert wie es der Fall war.

Der problematische Release von Diablo 3 und seine Folgen:
Viele Spieler haben Blizzard den Start von Diablo 3 bis heute nicht verziehen. Zu tief sitzt der Stachel vom "perfekten" zweiten Teil zum Auktionshaus-Debakel inklusive unspielbarem Endgame (Inferno-Modus), das dem Entwickler über Wochen und Monate den Gierstempel auf die Stirn drückte.

Nicht geholfen haben große Serverprobleme zum Release, die über Tage viele Spieler die Einreise nach Sanktuario verwehrten. Zwar funktionierte der Login schon bald und der Item-Handel war nach wenigen Wochen Geschichte, ein fader Beigeschmack blieb dennoch für viele Spieler vorhanden.

Hinzu kommt zudem, dass speziell Mobile-Games bei Core-Gamern im Verruf stehen, nichts weiteres als Gelddruckmaschinen zu sein. Eine Gelddruckmaschine, wie sie einst das Auktionshaus hätte sein sollen.

Zuletzt erschien Anfang November die Diablo 3: Eternal Collection für die Switch. Zuletzt erschien Anfang November die Diablo 3: Eternal Collection für die Switch.

Ein unglücklicher Rahmen:
Und dann wäre da mit der BlizzCon als Ort der Enthüllung eines Mobile-Ablegers noch ein weiterer Punkt, der maßgeblich zum starken Gegenwind für Blizzard beigetragen hat. Die hauseigene Messe zu wählen, die überwiegend Core-Gamer auf PC und Konsolen verfolgen, ist alles andere als geschickt.

Bereits EA hat mit Command & Conquer: Rivals auf der diesjährigen E3 bewiesen, wie man es besser nicht machen sollte. So wurden all jene, die jahrelang auf eine würdige Fortsetzung des beliebten PC-Strategiespiels gehofft hatten, durch eine mobile Variante nicht nur enttäuscht, es wurde in der PK zudem unverhältnismäßig lange über das Spiel gesprochen.

Dass es auch besser geht, hat in der Vergangenheit unter anderem Bethesda mit Fallout Shelter gezeigt. Zwar wurde das Spiel ebenfalls auf der eigenen E3-PK angekündigt, doch folgte im Anschluss Material zum heiß ersehnten Fallout 4. Zudem konnte das Spiel direkt nach der Präsentation kostenlos heruntergeladen werden.

Bereits ein kleiner Hinweis in Form eines Teaser hätte schon ausgereicht, um den Ärger vieler Fans vergessen zu lassen oder zumindest zu mindern. Diablo 4 wurde jedoch in keinem Satz erwähnt. Im Nachhinein ein großer Fehler.

All die Aufregung, wofür eigentlich?

Blizzard arbeitet aktuell an mehreren Diablo-Projekten. Blizzard arbeitet aktuell an mehreren Diablo-Projekten.

Der Rahmen der Bekanntgabe von Diablo Immortal war denkbar schlecht und Blizzard hat beim Release von Diablo 3 einige Fehler begangen, die vielen Spielern noch im Gedächtnis sind. Ein Shitstorm in diesem Ausmaße ist dennoch fehl am Platz. Diablo 4 kommt und Blizzard hat sich zum Thema bereits vorab mehrfach, wenn auch vage, geäußert.

So schrieb der Entwickler zum Beispiel in einem Blogpost im Vorfeld der BlizzCon:

"Wir wissen, worauf viele von euch hoffen und wir können nur sagen: 'gute Dinge kommen zu denen, die warten', aber böse Dinge brauchen oft noch länger.

Wir wissen eure Geduld zu schätzen, während unsere Teams unermüdlich daran arbeiten, albtraumhafte Erfahrungen zu kreieren, die dem Herrn des Schreckens würdig sind."

Blizzard arbeitet an Diablo 4, genauer gesagt an mehreren Projekten rund um den Höllenfürsten, wozu mit großer Wahrscheinlichkeit auch eine Netflix-Serie zählt.

Mit Diablo Immortal will Blizzard eine zusätzliche Zielgruppe erschließen, wie einst beim Diablo 3-Release für Konsolen. Auch möchten sie die Lieblingsreihe vieler Spieler zwischen den Core-Titeln präsent und frisch halten, ähnlich Bethesda, die mit Fallout 76 erstmals Multiplayer-Pfade einschlagen und einen für Fans ungewohnten Ableger zwischen Teil 4 und 5 platzieren.

Diablo Immortal - Enthüllungstrailer zum Mobile-Spiel im Diablo-Universum 3:12 Diablo Immortal - Enthüllungstrailer zum Mobile-Spiel im Diablo-Universum

So meldete sich auch Blizzard-Mitbegründer Allen Adham am Wochenende in einem Interview mit Polygon zu Wort:

"Wir haben gesagt, dass mehrere Teams an verschiedenen Diablo-Projekten arbeiten und das stimmt auch weiterhin, selbst nach dem Release auf der Switch und der Ankündigung von Diablo Immortal. "

Blizzard sollte auch zukünftig im engen und klaren Austausch mit all denen stehen, die ihre Spiele über Jahre unterstützt haben, den Core-Gamern. Es muss klar sein, dass Diablo als Reihe bei Blizzard in sicheren Händen ist und mit Diablo Immortal lediglich versucht wird, eine neue Zielgruppe zu erschließen.

Auf der anderen Seite sollten Fans auch die Position von Blizzard verstehen und einen Blick über den Tellerrand hinaus werfen. Klar, die Ansprüche sind hoch, was jedoch darauf zurückzuführen ist, dass Blizzard auf die meisten Probleme aus der Vergangenheit eingegangen ist und seine Core-Fans unterstützt hat. Dieses Wissen und dieses Vertrauen sollte vorhanden sein, bevor ein solcher Shitstorm entsteht.

Wie ist eure Meinung zu Diablo Immortal und zum starken Gegenwind für Blizzard?


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